Donnerstag, 29. Juli 2010

Inception (2010)- Kritik

Kritik

Erscheinung: In Großbrittanien und den USA ab dem 16. Juli 2010 im Kino, in Deutschland ab dem 29. Juli

Besetzung: (unten)



Christopher Nolan ist für viele einer der besten Regisseure Hollywoods- schafft er es doch, anspruchsvolles, in letzter Zeit auch visuell bombastisches Kino zu machen und somit gleichzeitig Kritiker und seine Financiers zu beglücken- seine Comicverfilmung "The Dark Knight" zählt zu den besten überhaupt und steht ganz oben in der Liste der erfolgreichsten Filme aller Zeiten. Und so waren die Erwartungen auf Nolans neuestes Werk "Inception" dementsprechend hoch- und der Filmemacher enttäuscht sie nicht- denn er schafft das beste Stück Big-Budget-Kino der letzten Jahre und ein Meisterwerk.

Dom Cobb (Leonardo DiCaprio) ist ein Dieb- aber nicht irgendeiner, denn er dringt in das Unterbewusstsein von Menschen ein und stiehlt ihnen wertvolle Geheimnisse für oftmals anonyme Auftraggeber. Cobbs Dienste sind in der Welt der Industriespionage heiß begehrt- doch zufrieden kann er nicht sein, denn er wird auf der ganzen Welt gesucht, weil er seine Frau ermordet haben soll. Doch dann wird ihm die Möglichkeit geboten, wieder ein normales Leben führen zu können; er und sein Team sollen eine so genannte Inception durchführen, das genaue Gegenteil dessen, was sie tun; statt eine Idee zu stehlen, sollen sie eine einpflanzen. Doch das Unterbewusstsein des Menschen ist tückisch- und Cobb hat seinem Team einiges vorenthalten...

Einige Kinobesucher, die Inception sahen, bezeichneten den Film als verwirrend. Man beschwerte sich über die Traumebenen (über dessen Anzahl sich auch wieder streiten lässt), die angeblich verworrene Handlung. Doch das ist nicht so; wer aufmerksam den von Nolan zu einem bunten Strang kunstvoll verflochtenen Handlungssträngen folgt, wird Inception verstehen. Und was bleibt, ist die Verzückung über dieses Meisterwerk, welches hemmungslos mitreißt in seine komplexe Thematik, die Nolan mit seinen eigenen Vorstellungen und Ideen verknüpft.

Es ist schwer, nach Inception seine Gedanken für den Film in klare Worte zu fassen. "Beeindruckend","Fantastisch" oder "Meisterhaft" käme dem gerade Gesehenem wohl am nächsten, ohne den Film hinreichend gut mit Attributen zu beschreiben. Es wäre geradezu schwachsinnig, Inception in einem einzigen Adjektiv beschreiben zu wollen.

Nach Inception fragt man sich, was gerade in den vergangenen 148 Minuten passiert ist- ein Film der nicht nur schlicht unterhält, sondern den Zuschauer geradezu in seinen visuellen Sog mitreißt und nicht mehr loslässt, bis der Film in seiner intellegenten finalen Schlusspointe wieder eine Überraschung bietet, über die viele diskutieren werden, ohne wirklich eine wahre Antwort zu finden- denn diese steht in den Sternen.

Christopher Nolan nimmt sich viel Zeit, um seinen Zuschauern die Welt des Träumens und dessen Regeln nahezubringen. Es ist zum Beispiel möglich, durch das Träumen im Traum andere Ebenen zu öffnen. Schmerz ist spürbar, doch der Tod im Traum führt nur zum Rückfall in die Realität. Der Regisseur führt den Zuschauer gekonnt durch die verschiedenen Traumebenen, mal sind es Hotelflure, in denen die Schwerkraft Kopf steht und sich stetig ändert, oder im Traum einstürzende fantastische Bergfestungen.

Hat man vorher gedacht, Filme wie Avatar hätten das Potenzial der Spezialeffekte und ihrer Verwendung bereits ausgeschöpft, wird man in Inception eines besseren belehrt werden. Man sieht nie zuvor gesehene Dinge in Inception, wenn beispielsweise Paris im Traum wie eine Karte zusammenklappt und so die Gesetze der Physik vollkommen auf den Kopf stellt oder plötzlich ein Güterzug mitten durch eine befahrene Straße in Los Angeles donnert.

Inszenatorisch ergänzt werden die Spezialeffekte auch noch von Hans Zimmers bombastischem Score, der ebenfalls einen sehr wichtigen Anteil an der Inszenierung Inceptions hält; eine ähnliche oder vergleichbare Musik wurde im Kino bisher noch nie gehört; der Score unterstützt den Film, wie es keine anderer Soundtrack sonst könnte- Christopher Nolan stellt in Inception wieder seine inszenatorische Perfektion unter Beweis, die in Batman Begins noch nicht völlig ausgereift war, in The Dark Knight die Kritiker und das Publikum beeindruckt zurückließ, und in seinem neuen Film sogar noch perfektioniert ist.

Hervorzuheben sind auch die Schauspielerleistungen, besonders die von Leonardo DiCaprio und seiner toten Ehefrau Marion Cotillard, eine Projektion seiner Erinnerungen, die oftmals auch in den Träumen anderer Personen auftaucht und zu verhindern versucht, dass Cobb seine Mission erfolgreich abschließen kann. Die Szenen zwischen Mal und Cobb sind von großer emotionaler Tiefe, was wohl auch größtenteils an den Darstellungen der entsprechenden Schauspieler liegt.

Bis in die Nebenrollen ist Inception hervorragend besetzt. Und um den Zuschauern die Regeln der Traumwelt auch gut vermitteln zu können, erfand Nolan den Charakter Ariadnes (Ellen Page) , die immer nachhakt, wenn es etwas zu fragen gibt und dabei eine enorme Leinwandpräsenz auszustrahlen vermag. Sie ist klar eine Zumutung an das mainstream-gerichtete Publikum, doch wirkt niemals unbeholfen oder fehl am Platze.

Fazit: Christopher Nolan schafft mit Inception ein surreales Meisterwerk, dass komplex und anspruchsvoll ist, aber dennoch nicht nur ein Film für Intellektuelle ist, sondern auch für die, die ihren Kopf im Kino nicht unbedingt ausschalten müssen. Inception verbindet Kunst, Intelligenz und Kommerz zu einem der besten Filme der letzten Jahre.

Regie: Christopher Nolan; Drehbuchautor: Christopher Nolan; Besetzung: Leonardo DiCaprio (Cobb), Mal (Marion Cotillard), Joseph Gordon-Levitt (Arthur), Ken Watanabe (Saito), Ellen Page (Ariadne), Tom Hardy (Eames)

Trailer
Der dritte, deutschsprachige Trailer zu Christopher Nolans Inception.



Soundtrack
Hans Zimmers Soundtrack zu Inception zum Reinhören kann man auf der Homepage des Filmes finden, der direkte Link zum Score findet sich hier.

Budget: ca. 160 Millionen US-Dollar
Box-Office: weltweit ca. 792 Millionen US-Dollar (davon 289 Millionen Dollar in den USA)

1 Kommentar:

  1. "Einige Kinobesucher, die Inception sahen, bezeichneten den Film als verwirrend", ja, ich kenne einen ;)

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